Georg Schomacher

DAF 44

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Ich bin nicht durch Zufall an meinen DAF 44 gekommen. Zwei KFZ- Wünsche hatte ich eigentlich immer (obwohl überzeugter Fahrrad- und Bahnfahrer): entweder eine russische Ural (jenes Motorrad, das, in Rußland produziert, im Grunde eine BMW aus den dreißiger Jahren ist) oder eben - einen DAF 44. Möglichst in weiß mit roten Polstern - so waren mir die Fahrten zum Kindergarten im Gedächtnis geblieben... :-)

Okay, einige Zufälle gab's dann doch. Mehr oder weniger zufällig bin ich auf die einschlägigen Seiten im Internet gestoßen, und dann gab's auch immer mal wieder Verkaufsangebote... Andererseits wurde mir beim Mitlesen im Forum und beim Sammeln von Informationen auch deutlich, daß mich ein ziemliches Abenteuer erwarten könnte, wenn ich den Plan wirklich umsetzen sollte.

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Aus dem Grunde kam von Anfang an weder ein Wrack in Frage, zu dessen Restaurierung viel Fachkenntnis nötig gewesen wäre (man bedenke: überzeugter Bahn- und Fahrradfahrer), noch ein schicker Hundert-Prozent-Wagen, bei dem der erste Flugrost eine mittlere Tragödie gewesen wäre. Mir ging's um ein Auto, an dem man gerade als Neuling basteln kann, ohne sich danach über die Ergebnisse des eigenen gut gemeinten Dilettantismus furchtbar zu ärgern.

Bis zu dem Zeitpunkt war aber alles noch eher theoretisches Interesse. Aber dann entdeckte ich in einer niederländischen Internet-Datenbank meinen Traumwagen: ein frühes Baujahr (1968), weiß, rote Polster... Leider stellte sich bei Ansicht der Bilder, die mir der freundliche Verkäufer schickte, schnell heraus, daß dieses Auto nichts für mich wäre: Allzuviel war an den neuralgischen Punkten (und sogar an einigen Stellen, die beim DAF nicht unbedingt besonders korrosionsanfällig sind) schon kaputt und vergammelt, obwohl der Wagen äußerlich prima aussah.

Trotzdem war das der Wendepunkt. Ab dann begann ich ernsthaft zu suchen. Auf den 44 war (und bin ich weiterhin) festgelegt, nicht nur wegen der sentimentalen Erinnerungen, sondern weil mich dieses Modell als eines der von DAF komplett selbst produzierten besonders reizte. In die engere Wahl kamen zwei Angebote: ein DAF, der bei E-Bay angeboten wurde - hier schreckte mich aber die lange Standzeit ab, die auf entsprechende Schäden schließen ließ. Und ein DAF in Süddeutschland, Farbe Tabina - er war im DAF-Forum inseriert. Der Verkäufer konnte nicht nur genaue Auskunft zum Auto geben, weil er esselbst lange repariert hatte, sondern versprach auch acht Kisten Ersatzteile, einen Teilmotor und eine Variomatic als "Zugaben".

Ein weiterer Zufall war, daß ich von Anfang an meinen Onkel, der ebenfalls Oldtimer-begeistert ist (wenn auch mit anderem Schwerpunkt) in meine Phantasien eingeweiht hatte. Für die Realisierung solcher Träume immer zu haben, schlug er mir kurzerhand vor "doch mal eben" hinzufahren, ansehen kostet ja nichts.

Vor Ort stellte sich dann selbst für mein recht untrainiertes Auge (obwohl zu der Zeit schon grundsensibilisiert durch eine Schnellanleitung per E-Mail von Benny) sogleich heraus, daß der Besitzer in der Tat viel am Auto gemacht hatte; alles ziemlich viel Patchwork, aber zwei Jahre TÜV, der Preis war okay... Zwei Jahre Spaß standen bevor, da fiel die Entscheidung nicht schwer.

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Problemlos meisterte der Kleine die 700 km von München nach Westfalen, wobei mir mein Onkel auf der Autobahn mit seinem Auto den Rücken freihielt - ich wußte nicht, wie es um die Langzeitqualitäten meines Kaufs bestellt war und fuhr deshalb schonend im LKW-Tempo-Bereich. Zuhause erforschte ich dann einen wunderbaren Herbst lang mit dem DAF die idyllischen Eckchen der Umgebung - dann kam der lange Winter... Und nun, da es Frühling wird, zeigt der Wagen doch auch an anderen Stellen, daß er wirklich langsam im Rentenalter ist. Aber wie sein Schicksal auch ausgehen mag in einem Jahr (dann ist der TÜV dran!), ich verdanke ihm die Gewißheit, daß ich meiner neu entdeckten Leidenschaft treu bleiben werde. Ich habe sogar schon wieder begonnen, den Markt zu sondieren, aber im Moment erlauben die Finanzen nicht, was besser ist als ein DAF: zwei DAF's!

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Gruß,
Georg Schomacher
D - 48145 Münster
EMail : georg.schomacher@web.de